Im Praxiseinsatz – Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8

Im Praxiseinsatz – Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8

Alle Theorie ist toll, aber was leistet das Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8 an der Olympus OM-D E-M10 Mark II in der Praxis?

Um das rauszufinden, habe ich mein Urlaubsgepäck mit Nikon D7200 und dem Nikon AF-D 24mm f1:2.8 kurzerhand um die Olympus samt besagtem Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8 erweitert. Die Nikon hat einen Cropfaktor von 1:1,5, die Olympus von 1:2. Damit hatte ich an der Nikon 36mm, und an der Olympus 34mm – vergleichbare Bedingungen also. Beide Kameras speicherten RAW, die Einstellungen waren auch sonst relativ vergleichbar. An der Nikon benutzte ich Blende 8, an der Olympus meist 7.1.

Nun habe ich die Tests ohne Stativ gemacht, deswegen stimmen die Perspektiven in den Beispielbildern nicht immer aufs Pixel. Aber das soll hier egal sein – schliesslich soll eine Frage beantwortet werden:

Kann die Olympus-Kombi die schwere DSLR im Urlaubsalltag ersetzen?

Ich habe exemplarisch 3 Szenen herausgesucht, die ich mit beiden Kombis aus ähnlichen Perspektiven in kurzem Zeitraum nacheinander abgelichtet habe. Ich zeige hier jeweils die beiden unbearbeiteten Aufnahmen, einen Schnitt aus beiden Aufnahmen, einen bearbeiteten Schnitt mit beiden Aufnahmen. Die Bearbeitung bestand jeweils aus Anpassung der Belichtung, Kontraste, und anderen einfachen Dingen. Filter oder tiefergehende Bearbeitung fand nicht statt. Darüber hinausgehende Details erläutere ich am Beispiel. Bei den Schnittbildern zeigen die Ausschnitte oben links und unten rechts die Daten der Nikon, während man unten links und oben rechts jeweils das Resultat der Olympus sieht.

Mal schauen…Szene 1

Nikon Aufnahme
Olympus Aufnahme
Schnittbild unbearbeitet
Schnittbild mit grundlegender Bearbeitung
Ausschnitt aus dem Schnittbild mit Bearbeitung

Grundlegend belichtet die Olympus offensichtlich etwas dunkler. Ich kann das auch gut an anderen Aufnahmen nachvollziehen, teilweise geht es da um eine ganze Blende. Vor allem Szenen mit größerem Dynamikumfang treiben die Olympus schnell ins Unterbelichten.

Abgesehen davon schlägt sich die Olympus gut. Der kleinere Sensor macht sich bemerkbar, aber nicht störend oder gar richtig negativ – die Bilder sind absolut brauchbar, auch für größere Ausdrucke. Die Nikon zeigt aber doch das eine oder andere Detail mehr.

Szene 2: Leuchtturm am Meer

Die Bilder zeigen den Leuchtturm am Hook Head in Irland. Der Leuchtturm kann übrigens bestiegen werden, und liegt malerisch auf einer Landzunge westlich von Limerick.

Nikon Aufnahme
Olympus Aufnahme
Schnittbild ohne Bearbeitung
Bearbeitetes Schnittbild, so dass die Nikon Aufnahme richtig wirkt
Bearbeitetes Schnittbild, so dass die Olympus Aufnahme richtig wirkt

Auch hier ist wieder gut zu sehen, dass die Olympus zur Unterbelichtung neigt. Trotzdem sind beide Bilder gut verwendbar, zeigen ordentlich Details, und können mit dem Leuchtturm im Sonnenlicht gut umgehen.

Szene 3: Sonnenuntergang am Meer

Nikon Aufnahme
Olympus Aufnahme
Schnittbild ohne weitere Bearbeitung
Schnittbild mit marginalen Anpassungen
Ausschnitt vom Schnittbild

In dieser Gegenlichtsituation stossen beide Kameras an Grenzen. Die Nikon hat leichte Vorteile, aber die Ergebnisse sind relativ gut vergleichbar. Beim Rauschen spielt der Sensor der Nikon seine Stärke aus, und auch die höhere Auflösung der Nikon sieht man den Bildern an.

Fazit

1.) Die Olympus ist absolut alltagstauglich, und macht ordentliche Bilder.

2.) Ihr viel geringeres Gewicht ist ein großer Vorteil auf Reisen, man muss dafür aber leichte Einbußen bei der Bildqualität hinnehmen.

3.) Wer nachbearbeitet, sollte RAW fotografieren, um sich Luft zu lassen für auch tiefergehende Bearbeitung.

4.) Der kleinere Sensor der Olympus macht sich manchmal auf den Bildern bemerkbar, unbrauchbar sind die Bilder aber keinesfalls!

5.) Im Bild nicht zu sehen: der Autofokus der Olympus ist marginal langsamer im Vergleich zur Nikon. Mit dem Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8 gewinnt der Autofokus an Speed.

6.) Der Kauf des Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8 war eine richtige Entscheidung, die Linse ist eine gute Investition.

7.) Ein etwas mulmiges Gefühl verursacht das Fehlen eines zweiten Kartenslots – ich benötige eine mobile Backuplösung, um dieses (ja, sicher irrationale) Gefühl loszuwerden…Die Nikons machen es mir da einfach, weil der zweite Kartenslot schon in der Kamera für das erste Backup sorgt.

8.) Ohne Zweitakku geht nichts! Das ist der einzige echte Nachteil: im Vergleich zur Nikon ist die Olympus ein Stromvernichter. Das technische Konzept frisst einfach mehr Akku. Ohne Zweitakku in der Hosentasche sollte man nicht aus dem Haus gehen. Bei Ganztagestouren empfiehlt sich auch ein dritter oder sogar vierter Akku!

Und, wie geht es weiter?

Für mich steht fest, dass die Olympus weiterhin meine Alltags-Kamera sein wird. Sie schlägt sich ordentlich bei der Fotografie, und bietet enorme Vorteile gerade bei Größe und Gewicht. Das Olympus M.Zuiko 17mm f1:1.8 wertet die Kamera erheblich auf, und ist in Sachen Bildqualität um Welten besser als das mitgelieferte 14-42-Kit. Dafür wird die Kombi etwas sperriger.

Sport-Shootings werde ich aber weiterhin mit einer DSLR machen – auch, weil ich mir kein Tele für die Olympus zulegen will. Für den Urlaub überlege ich mir aber gut, ob ich die DSLR wirklich den ganzen Tag weiter mit mir rumtragen will. Vielleicht nehme ich sie kommenden Urlaub nur noch für spezielle Situationen mit — mal schauen!

Um die gestellte Hauptfrage zu beantworten: Ja, die Olympus kann eine DSLR im Urlaub gut ersetzen, wenn man den einen oder anderen Kompromiss eingeht, in RAW fotografiert, sich auf Bildbearbeitung einlässt, und ganz wichtig: in gutes Glas investiert.

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